Ich spiele selber leidenschaftlich gerne Saxophon und wechsle dabei zwischen Tenor und Bariton, weil ich einfach diesen satten Sound liebe. Ich mag auch das Gewicht; wenn ich einmal ein Sopransax ausprobiere, komme ich mir vor wie ein Erstklässler, der eine Blockflöte spielt. Ich spiele selber immer wieder in unterschiedlichen Formationen, habe mir neben den übliche Jazzcombos sogar ein modernes Saxophonorchester angetan, aber auch meine Begeisterung für ein Saxophonquartett entdeckt.
Als ich daher über The Nuclear Whales Saxophone Orchestra stolperte, war ich erst einmal sehr skeptisch. Ich gebe ehrlich zu, dass meine kurze Verweildauer in meinem eigenen Saxophonorchester nicht am Sound lag (den habe ich geliebt!), sondern an der Literatur, die dort gespielt wurde. Überwiegend recht atonale moderne Stücke, zu denen ich einfach keinen Zugang finde. Aber ich habe die CD der Nuclear Whales – bei dem Namen hatte ich sofort unverdauliche moderne Stücke assoziiert – meinem Freund zuliebe eingelegt und war für Stunden nicht mehr auf diesem Planeten. Der Sound war das Beste, was ich in diesem Bereich jemals gehört habe, das Repertoire eine Mischung aus Klassikern und eigenen Arrangements der Whales, die Perfektion der Solisten und des Zusammenspiels war einfach atemberaubend.
Nach meinem Rücksturz zur Erde lieferte mir das Internet auch noch Bilder und Filme zu den Nuclear Whales, und das war fast der Overkill. Mit einem Tenor kann man ja als kräftiger Mensch noch eine halbwegs akzeptable Bühnenshow hinlegen, es theatralisch herum schwenken und auf der Bühne herum hüpfen. mit einem Baritonsax geht das fast nur noch mit einem unkleidsamen Schultergurt, da der normale Halsgurt den Nacken zu sehr belasten würde. Und da haben die Whales doch nicht nur einen Baritonspieler, ein Basssaxophon (schon sehr selten), nein, sie zaubern sogar ein Kontrabasssax hervor, welches so selten ist wie der Halleysche Komet. Das über zwei Meter lange Instrument kann wegen seiner Dimensionen und seines Gewichts normalerweise nur mit einem Ständer gespielt werden, aber in dem einen Video läuft der Spieler Don Stevens sogar während des Spielens damit herum!
Natürlich haben mich nicht nur diese Superlative beeindruckt, sondern die Nuclear Whales zeigen auf beeindruckende Weise auf, was man mit einem Saxophon alles machen kann. Selbst ich als langjähriger Spieler war erstaunt und entzückt, welches Potenzial offensichtlich in meinem Horn schlummert, von dem ich bisher keine Ahnung hatte. Die sechs Saxophonisten zeigen selbst den erfahrenen Musikern noch neue Wege auf!