Fremde Klangwelten: Die chinesische Oper

Ich bin sehr neugierig. Deshalb versuche ich immer, Zugang auch zu der Musik mir fremder Kulturen zu finden, auch wenn das Einhören zu Beginn unter Umständen ganz schön viel Arbeit ist. Und nun bin ich über die chinesische Oper gestolpert – und eingetaucht in eine sehr fremde Klangwelt.

Obwohl die chinesische Oper eine sehr lange Tradition hat, war sie in den letzten Jahrzehnten fast völlig verschwunden und wäre fast ausgestorben. Das lag wohl daran, dass sie in China während der Kulturrevolution so gut wie verboten war – von Hunderten von Stücken durften ganze acht aufgeführt werden, und auch diese waren zu Propagandazwecken verändert worden. Erst in letzter Zeit lebt sie wieder auf, besonders in der Form der Peking-Oper.

Ich mag die westliche Oper durchaus gerne, wobei mir die leichtere Kost eines Verdi lieber ist als die doch manchmal schwere eines Wagner. Daher dachte ich, ich wäre operngestählt und wüsste in etwa, womit ich zu rechnen hätte. Der Gedanke war jedoch weit gefehlt, denn wenn man in eine chinesische Oper geht, taucht man komplett in eine fremde und exotische Welt ein.

In der chinesischen Musik benutzt man ganz andere Tonleitern als in der europäischen Musik. Wir benutzen acht Töne plus Halbtöne, die chinesische Musik kennt Tonleitern mit fünf oder zwölf Tönen. Die sich daraus ergebenden Melodien sind für unsere Ohren sehr fremd, teilweise etwas schräg und sicher gewöhnungsbedürftig, aber man kann ihnen durchaus etwas abgewinnen. Bei vielen Arien wird der Ton vom Sänger ständig leicht variiert, was klingt, als eiere ein alter Plattenspieler.

Ganz anders als in unserer Oper sind die Stimmen der chinesischen Opernsänger. Sie singen alle mit einer sehr hohen Kehlkopfstimme, die man so bei uns überhaupt nicht kennt. Im ersten Moment klingt der Gesang daher etwas schrill und gequetscht, doch nach einigen Minuten konnte ich mich auch damit sehr gut anfreunden.

Zu den musikalischen Eindrücken kommen dann auch noch die visuellen, denn eigentlich ist die chinesische Oper nur als Gesamtkunstwerk zu genießen und zu verstehen. Jede Handhaltung, jeder Blick, selbst die Einzelheiten der zum Teil prächtigen Kostüme haben eine symbolische Bedeutung (die ich natürlich nicht kenne, daher habe ich von der Handlung absolut nichts verstanden), zum Gesang kommen noch Pantomime, Tanz, Akrobatik und Kampfkunst. Die Darsteller tragen Masken oder sind stark und exotisch geschminkt, so dass das Auge oft gar nicht weiß, wo es hinblicken soll.

Die chinesische Oper wird sicher nicht zu meiner Lieblingsmusik werden, aber ich werde bestimmt immer wieder einmal einen Ausflug in diese faszinierende fremde Klangwelt machen.